passionsgeschichte

You make me feel …

by Graugans

… like a naturally woman!

 

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Now, Baby Blue …

by Graugans

Gewidmet dem geliebten Herrn Graugans in großer Dankbarkeit!

Brütende Hitze in der Scheune, dem ehemaligen Heuboden des alten Hofes, ich stehe im Dämmerlicht auf dem verrutschten Teppich, der mal Tanzfläche war und sehe mich um … keine Spuren mehr vom großen Fest, das hier stattgefunden hat. Ein paar vergessene Flaschen umgefallen in einem Eck, ein Schild „Route 66“ leuchtet auf, als ich an ihm vorbeigehe, eine kleine rote Blume aus Krepp liegt am Boden vor den ordentlich an die Wand gelehnten Tischen und Bänken … ein Tiger aus Pappmaché lehnt an einem Mauervorsprung, Sonne, Mond und Stern, ausgeschnitten und mit Alufolie verkleidet, drehen sich an einer Schnur über mir, alles steht an seinem Platz, der kleine alte Traktor riecht nach Motorenöl, und in der Luft liegt der vertraute Geruch nach altem Holz und Staub. Das Fest ist längst vorbei, alle Gäste sind in ihre Leben heimgekehrt, die nicht enden wollenden Dankesreden für das Glück dieser Musiksommernacht werden weniger, der Rausch ist vorüber; wenn der Höhepunkt erreicht wird und keine Steigerung mehr möglich ist, dann geht es zurück ins Tal der normalen Wirklichkeit.

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Mein Vater, der Tod und Jesus in der Stube

by Graugans

Oft vermisse ich die langen Gespräche „über Gott und die Welt“, die früher einfach dazugehörten zum Leben, vor allem hier in der Stube des alten Hauses. Erscheint es mir nur so, oder interessiert sich niemand mehr für diese Fragen um Leben und Tod und warum wir denn hier sind auf dieser Erde und was denn vor uns war? Oder hat einfach niemand Zeit, oder hat bereits jeder das Gesuchte schon gefunden? Manchmal befürchte ich, so ziemlich alleine übriggeblieben zu sein mit meinen zweifelnden Fragen mitten hinein in die großen spirituellen Geheimnisse, religionsverweigernd und gottsuchend gleichermaßen. Eine Agnostikerin auf meine spezielle Art, nichts glaubend, alles für möglich haltend, hungrig …

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Das Mädchen

by Graugans

Ein übertrieben hitziger Sonnenstrahl fällt vom Himmel und mit ihm ein Schwarm Krähen. Schimmerndes Gefieder in gleißendem Licht stakst über die Wiese, pickt hier und da , macht Gezeter, wirft sich wie auf Befehl in die Luft und fliegt als geschlossener dunkler Haufen wieder weg.

Die stille Woche … die Prophezeihung erfordert den Ritt auf einer Eselin hinein nach Jerusalem, ein kleiner, zarter junger Mann, Wanderrabbi mit aufrührerischem Geist, nicht den Pharisäern und schon gar nicht den schrecklichen römischen Unterdrückern gefügig, gerade ließ der Stadthalter tausende junger Männer ans Kreuz schlagen, einfach so aus Launen heraus, Er muß eswissen, was Ihm bevorsteht. Sie wollen, daß einer kommt und sie rettet aus der unglaublichen Not dieser Okkubation, sie wollen die Zeichen so deuten, daß sie auf Ihn als den Messias hinweisen. Irgendwann gibt er nach .

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Die Schlucht

by Graugans

Ein paar vereinzelte Schneeflocken segeln aus der dunkelgrauen Pferdedecke, die schwer am Himmel hängt. An klaren Tagen kann man von hier aus auf die Salzburger Berge, den König Watze samt Frau und Kindern und womöglich bis weit ins Dachsteinmassiv hineinschauen. Alles ist mir bekannt und vertraut und doch bin ich fremd hier. Ich war schon bei den Pyramiden, aber noch nie hier an diesem Ort, 20 km von daheim. Dem großen, behäbigen Klotz von einem Hof, malerisch alleine auf der Hügelkuppe, hat man schon lang die filigranen Ursprünge herausgebaut. An der Hinterseite des Stalles scheint eine alte, windschiefe Mauer den Zeitläuften zu trotzen. Ein paar knorrige Nußbäume und ein vermooster Hollerbusch stehen davor, man stützt sich gegenseitig.

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Blutmond

by Graugans

Drei Frauen sind wir und als wir oben am Hügel ankommen, stehen wir zwischen den beiden Himmelslichtern, die Sonne ertrinkt langsam im großen See und der Mond ist aufgegangen. Um uns herum ein Kreis von Bäumen, in Zweier- und Dreiergruppen stehen sie da, ihre Leiber ineinander verschlungen recken sie sich in den Himmel. Im Hintergrund die Silhouette der Berge. In den tiefen Geleisen der Lastwägen steht das Wasser und glänzt im Mondenschein, die gefräßige Maschine, die tagsüber in der Kiesgrube den Sand ausspuckt, hält ihr riesiges Blechmaul verschlossen und schweigt.

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Tomten … auf Graugans

by Graugans

»Zwei Freunde haben meine Kindheit begleitet, waren stets für mich da, wenn ich sie brauchte, hatten immer Zeit und ich konnte ihnen einfach alles erzählen. Ich weiß nicht mehr, wie sie aussahen, sicher waren sie nicht größer als ich, also ziemlich klein. Ich kann mich noch gut erinnern, wo wir unsere Treffen hatten und ich habe meine eigene Kinderstimme noch im Ohr, wie sie mit ihnen spricht und sie bei ihren sehr geheimen Namen nennt. Nie hat jemand von ihrer Existenz erfahren, gesehen hat sie auch niemand, denn ich vermute, sie waren unsichtbar.«

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Drachenherz auf Graugans

by Graugans

Ein flirrendes Rauschen in der Luft, eine Bewegung gegen den Strom, die Krone zittert, schert aus, Blätter rascheln, ein Ächzen, eher ein leises Stöhnen und dann fällt sie … die Krone fällt immer zuerst … und dann fällt auch er … der Stamm … dumpf das Ende … erbärmlich und dumpf der Aufprall am Boden … und dann ist es still.

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Das Kreuz

by Graugans

Die alte Frau klopft und ich mache die Türe auf.
Das schwere Kreuz rutscht von ihren wehen Schultern , als wir es an die Wand lehnen wollen, fällt es um.
Ich gieße kochendes Wasser auf das Kaffeepulver.
Ihre Finger sind verkrümmt, als kleines Mädchen  mußte sie den Sand aus der Kiesgrube auf die Fuhrwerke der Bauern schaufeln. Ihre Schwester hatte es besser, die durfte mit der Mutter die Hausarbeit machen.
Wir trinken heissen Kaffee , um die Kälte erträglicher zu machen, die von den Lebenssplittern aufsteigt, die sie auf dem Stubentisch ausgebreitet hat.
Der Mann hatte Schlaganfälle und ist untergebracht, alle sagen, er sei nicht gut zu ihr gewesen, sie erinnert sich nicht, sie würde ihn gerne daheim haben, dann wäre sie nicht so alleine. Aber sie hat keine Kraft mehr, ihn zu versorgen.
Warum nur ist alles so gekommen…wenn er ihr doch wenigstens erlaubt hätte, den Führerschein zu machen, dann könnte sie wegfahren.
Sie hat zwei Kinder großgezogen und versteht nicht, warum die nicht mit ihr sprechen.
Weihnachten hat sie alleine in der Küche sitzend verbracht. Ich hab gedacht, daß mir das alles egal ist, aber glaub mir, es ist dann doch ganz anders gekommen, sagt sie.
Dreimal am Tag kommt der Pflegedienst zum Spritzen, sie hat schweren Diabetes.
Ich hab doch niemand was getan, warum ist dann alles so gekommen, sagt sie.
Gestern habe sie zu ihrer Schwägerin am Telefon gesagt, daß sie heute mich besuchen möchte, weil sie mich mag.
Gell du weißt,daß ich dich mag, sagt sie.
Ich schlage ihr vor, sie zum Altennachmittag in der Gemeinde zu fahren. Ich bin aus allem so herausgefallen, sagt sie, nirgends gehöre ich dazu.
Die Mutter des Mannes hatte sie auch gepflegt, sieben Jahre lang, bis sie gestorben sei, es war Hochsommer und die Tote wurde im Hausgang aufgebahrt für drei Tage, der Geruch des vielen „abgegangenen“ Wassers war schier unerträglich, die Leiche war „ausgeronnen“ und sie mußte alles aufwischen…alles. Das war ganz selbstverständlich.
Manchmal wird sie von einem entfernten Bekannten angerufen, der auch alleine ist und alt, aber sie habe ihm schon gesagt, er dürfe ja niemals auf Besuch kommen, denn was würden die Leute da sagen!
Sie muß dann wieder gehen, um den Pflegedienst nicht zu verpassen. Wir stehen auf. Sag einmal, hab ich denn irgendjemand was getan, daß alles so ist jetzt?
Du bist ein sehr freundlicher Mensch, ich bin gern mit Dir zusammen, komm bald wieder, sage ich. Du hast doch dein Leben lang so schwer gearbeitet, jetzt könntest du es dir doch schön machen…es ist alles so anders gekommen, sagt sie und sieht mich mit ausgetrockneten Augen an. Als ich sie umarmen will, steht sie da , starr wie ein Stück Holz, Berührung ist ihr fremd…ich gehe einen Schritt zurück, um sie nicht zu bedrohen.
Sie geht zu ihrem umgefallenen Kreuz und ich helfe ihr, es wieder auf die Schultern zu laden, ich kann es ihr nicht abnehmen, sie besteht darauf, es zu tragen.
Beim Abschied sagt sie, es braucht sich niemand freuen aufs Altwerden…gell, wir bleiben in Kontakt?
Dann geht sie heim in ihre einsame Küche.
Sie trägt ihr Kreuz, weil halt alles so ist, wie es ist und jeder muß es tragen, weil es nicht anders geht.
Ich sitze da vor den leeren Kaffeetassen ich bin grade zehn Jahre jünger als sie, und sehe hinaus in die Dämmerung, jetzt ist die blaue Stunde, jetzt müssten doch eigentlich die Wunder passieren.
Früher, als Kind, sagten die Alten oft zu mir: Du wirst noch deine blauen Wunder erleben, wenn du mal genausoviel weinen mußt, wie du jetzt lachst!

Wunder sind mir keine passiert, zumindest keine blauen, geweint hab ich schon, aber lachen tu ich auch noch, ziemlich viel sogar.

by Graugans

Drei Frauen

by Graugans

Drei Frauen, bekleidet vom

Blau der Nacht

stehen am Ufer.

Allein möcht ich sein

schlaflos

plötzlich diese drei

stehen da, schauen auf den Fluß

drehen sich um

schauen mich an.

Der Wind bringt Harzgeruch, wenn

sie ihr Haar zurückwerfen, es sollte

nach Moos riechen, meine ich, es sieht aus

wie weiches Moos,

ich aber rieche Harz, wildes Harz, aus

Bäumen geblutet.

Lange bunte Röcke flattern im Wind – oder

erträume ich mir das?

 

Die Erste spinnt den Faden

die Zweite reicht ihn weiter

die Dritte schneidet ihn ab während die Erste

schon wieder neu gesponnen hat.

 

Was soll ich tun, Ihr Wilden Frauen?

Ich bin so nackt, mein Fell ist mir abgefallen.

 

Tanze den Mond in Deine Augen, tanze bis Du

umfällst und schlafen wirst

tanze auf den

Silberspuren der Schnecken dorthin,

wo es keine Garantien mehr gibt

tanze, bis Du den Gesang der

Sterne hörst

tanze hinein ins Labyrinth der Träume

bis dahin, wo

nichts mehr ist.

 

Wie finde ich wieder heraus?

Nimm den Faden,

vergiß nicht: Alles hat seinen

Anfang genommen auf der Silberspur der

Schnecken.

 

Ich habe Angst, sage ich,

mein Fell ist zu eng geworden, es ist

abgefallen in den vielen

Nächten.

 

Da singen die Wilden Frauen und ihre

Gesänge tropfen wie

Tau ins Gras.

 

Graugans